Graphische Kunst liegt für gewöhnlich zweidimensional, in Form von Skizzen, Zeichnungen, Drucken usw. vor. Sie enthält keine direkten Informationen darüber, wie sie maschinell verarbeitet oder in physische Objekte überführt werden kann. Ziel des Projektes ist es, eine individuelle graphische zweidimensionale Kunstform in einen dreidimensionalen Gegenstand, z. B. ein individuelles Fassadenelement für die Außenwandgestaltung oder ein einzigartig gestaltetes Designstück, zu überführen und maschinell herzustellen.
Dabei soll auf Zwischenmodelle wie Plastiken oder Skulpturen verzichtet werden. Hierfür fehlt es bis dato an einer Methode, die 2D-Darstellungen analysiert, interpretiert und in Maschinensprache übersetzt. Die Entwicklung einer solchen Methode ist Kern des geplanten Projektes. Sie ermöglicht es, graphische Kunst in eine maschinenverständliche Sprache – einen Maschinencode – zu überführen. Mit Hilfe dieses Programmcodes ist es möglich, das Kunstwerk durch verschiedene Fertigungsverfahren zu vergegenständlichen, das heißt in eine 3D Gestalt zu bringen. Fertigungsverfahren, die dafür eingesetzt werden können, sind beispielsweise inkrementelle Blechumformung, Fräsen, 3D-Druck, Wasserstrahl- und Laserstrahlschneiden oder Erodieren.
Die Herausforderung besteht darin, eine Zeichnung, die aus verschiedenen Grautönen und Schraffierungen besteht, oder ein Gemälde, welches in vielschichtigen Farbtönen angelegt ist, in einen Maschinencode umzuwandeln. Dabei müssen methodische Lösungen gefunden werden, um offene Fragestellungen zu beantworten: Wie kann ich Höhen und Tiefen aus der Zeichnung oder aus dem Gemälde der Maschine in Vektor-Koordinaten vermitteln? Wie kann ein kreativer Schaffensprozess in eine sequenzielle Bahnplanung einer Maschine überführt werden?
Innerhalb der Methodenentwicklung muss der Künstler sich den Anforderungen der Technologie, des Materials und der Maschine stellen und sein Kunstwerk den technologischen Machbarkeitsgrenzen anpassen. Doch auch die Ingenieure werden durch die umzusetzende enorme Formenkomplexität eines graphischen Kunstwerkes und die Überführung in einen Programmcode herausgefordert.
Die entwickelte Methode wird im Projekt exemplarisch mit Hilfe der inkrementellen Blechumformung (IBU) validiert und ein Kunstwerk in einem metallbasierten, großflächigen 3D-Element vergegenständlicht.