»CHITIN [C8H13NO5] _shelter«

Verbesserung der Kreislauffähigkeit von Chitosan-Fäden als biobasierte und nachhaltige Alternative für die Textilindustrie durch Material- und Prozessoptimierung sowie Forschung an der Haltbarkeit, Wasserbeständigkeit und Skalierbarkeit.

© SurrealLabor

Chitin – Es steckt in Insekten- und Krabbenpanzern oder sogar in den Zellwänden von Pilzen. Nach der Zellulose ist diese organische Verbindung eines der am häufigsten vorkommenden, strukturbildenden Biomolekülen auf der Erde. Doch wie sähe ein textiles Material aus, das nicht aus Pflanzenfasern, sondern aus Chitin-Fäden gesponnen und gewebt ist? Und wofür wäre es gut?

Chitin, aus dem Altgriechischen »χιτών« (»chitón«) – Hülle, Panzer. Das Projekt »CHITIN [C8H13NO5] _shelter« übersetzt die schützenden Eigenschaften und Assoziationen des Biopolymers in ein spekulatives Design-Szenario. Dabei sind die antibakteriellen, feuchtigkeitsbindenden und hämostatischen Qualitäten des Biomaterials von besonderem Interesse. Denn in Zeiten von global steigenden Temperaturen und öko-sozialen Prekaritäten stellt sich die Frage: Ließe sich ein textiles, Chitin-basiertes Gewebe vielleicht wie eine zweite Haut verstehen, die sich in Form eines Pullovers oder zeltartigen Kokons schützend um uns legen oder gar regenerierend wirken kann?

Neben der experimentellen Produktion von biologisch abbaubaren Folien legt »CHITIN [C8H13NO5] _shelter« den Fokus auf die Faden-Herstellung mit Chitosan, einem Derivat von Chitin. Dabei werden die löslichen Eigenschaften von Chitosan genutzt, um mit Hilfe eines Extrusions-basierten Wetspinning-Verfahrens durch Säure- und Laugenbäder einen fortlaufenden Faden für die weitere Design-Verarbeitung herzustellen. Je nach Dicke und Materialzusammensetzungen können die Anwendungsbereiche hierbei zwischen Wearables und raumgreifenden Installationen variieren. Ziel des Projekts »CHITIN [C8H13NO5] _shelter« ist es, mit der Herstellung, Weiterentwicklung und Optimierung der Chitosan-Spinning Produktion eine neue, biobasierte Ressource für die Textil-Industrie zu erschließen und mit der Realisierung von Design-Prototypen zu einer Vision der Kreislaufwirtschaft von morgen beizutragen.

Efrat Friedland (Industriedesignerin, Gründerin von »materialscout« / Mitbegründerin »Positive Plastics«)

Jury Statement zum Projekt »CHITIN [C8H13NO5] _shelter«

Chitin ist – nach Zellulose – eines der am häufigsten vorkommenden natürlichen Polymeren unseres Planeten, und doch ist es noch kaum bekannt! Das Projekt »CHITIN [C8H13NO5] _shelter« hat das Potenzial, mehr Designer*innen und Wissenschaftler*innen zu inspirieren, seine Möglichkeiten zu erforschen, da es ein bemerkenswerter Baustein für eine Vielzahl von Anwendungen ist. Ich war beeindruckt von der Erfahrung des Projektteams an der Schnittstelle von Wissenschaft und Design, dem sorgfältigen Projektplan und dem mutigen, zirkulären Denken.

Drei Fragen an »CHITIN [C8H13NO5] _shelter«

Mit Dr. Thomas Hahn

Was sind die wichtigsten Ergebnisse des Projekts »CHITIN [C8H13NO5] _shelter«? 

Das Projekt hat gezeigt, dass sich das Chitosanspinnen zuverlässig umsetzen lässt und wir einen stabilen Prozess etablieren konnten. Wir haben dabei ein geeignetes Chitosan identifiziert sowie geeignete Zusätze, was fachlich sehr wertvoll war.

Ich schätze besonders, dass aus der wissenschaftlichen Arbeit ein Produkt zum Anfassen rauskommt, das auch außerhalb des Labors erfahrbar ist. 

Unter dem Motto »Growing Up« findet dieses Jahr wieder das Festival der Zukunft auf der Museumsinsel in München statt. In einer Ausstellung und im kreativen Austausch mit Fraunhofer-Forschenden aus Projekten des Fraunhofer-Netzwerks »Wissenschaft, Kunst und Design« kann das Publikum erfahren, wie wir mit Technologie, Wissenschaft und Kreativität unsere Zukunft gestalten können.

Unter dem Motto »Growing Up« findet dieses Jahr wieder das Festival der Zukunft auf der Museumsinsel in München statt. In einer Ausstellung und im kreativen Austausch mit Fraunhofer-Forschenden aus Projekten des Fraunhofer-Netzwerks »Wissenschaft, Kunst und Design« kann das Publikum erfahren, wie wir mit Technologie, Wissenschaft und Kreativität unsere Zukunft gestalten können.

Welcher Moment der Zusammenarbeit war für Dich das Highlight? 

Ein besonderer Moment war für mich der Besuch im SurrealLabor und der gemeinsame Besuch einer Kunstausstellung, weil dort die interdisziplinäre Zusammenarbeit sehr greifbar wurde. 

Es gab für mich nicht das eine wissenschaftliche Highlight, sondern der Fortschritt war ein kontinuierlicher Prozess. Die fruchtvolle Zusammenarbeit in einem heterogenen Team hat mir ermöglicht, in eine für mich bisher wenig erschlossene Disziplin einzutauchen und zu erleben, dass man eben nicht hochtechnisches Equipment aber Motivation und Erfindungsreichtum braucht, um Ziele zu erreichen.

What's next? Gibt es Anschlussprojekte, neue Ideen oder offene Fragen, die weiterverfolgt werden? 

Perspektivisch wollen wir die Ergebnisse einem größeren Publikum präsentieren und die Zusammenarbeit gemeinsam weitermachen. Wir suchen nach Förderoptionen, um die begonnene Arbeit zu vertiefen. Ein Schwerpunkt liegt darauf, das Chitosanspinnen technisch zu verbessern und dadurch neue Anwendungsgebiete zu eröffnen.

Unter dem Motto »Growing Up« findet dieses Jahr wieder das Festival der Zukunft auf der Museumsinsel in München statt. In einer Ausstellung und im kreativen Austausch mit Fraunhofer-Forschenden aus Projekten des Fraunhofer-Netzwerks »Wissenschaft, Kunst und Design« kann das Publikum erfahren, wie wir mit Technologie, Wissenschaft und Kreativität unsere Zukunft gestalten können.

Unter dem Motto »Growing Up« findet dieses Jahr wieder das Festival der Zukunft auf der Museumsinsel in München statt. In einer Ausstellung und im kreativen Austausch mit Fraunhofer-Forschenden aus Projekten des Fraunhofer-Netzwerks »Wissenschaft, Kunst und Design« kann das Publikum erfahren, wie wir mit Technologie, Wissenschaft und Kreativität unsere Zukunft gestalten können.