»Blinding my body away«

Harte Glanzpunkte als Störfaktor in menschlicher und maschineller Wahrnehmung

© Betty Rieckmann

»Blinding my body away« ist ein künstlerisch-wissenschaftliches Forschungsprojekt von Betty Rieckmann, das sich mit dem Phänomen des harten Glanzpunkts als Störung in Wahrnehmung und maschinellem Sehen beschäftigt. Im Zentrum steht die Frage, wie stark reflektierende Oberflächen – etwa der Chitinpanzer des Herkuleskäfers, oder des europäischen Nashornkäfers – sowohl das menschliche Auge als auch digitale Bildsysteme an ihre Grenzen bringen. Harte Glanzpunkte erzeugen Überblendungen, Fokusverschiebungen und räumliche Verzerrungen. In fotografischen und fotogrammetrischen Verfahren führen sie zu fehlerhaften Tiefeninformationen, fragmentierten 3D-Rekonstruktionen und sichtbaren Lücken im digitalen Bild. Während solche Artefakte üblicherweise korrigiert oder entfernt werden, verfolgt Blinding my body away einen gegenteiligen Ansatz: Die Störung selbst wird zum Ausgangspunkt der Untersuchung.

In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IOSB werden glanzbedingte Disparitätsfehler, blickabhängige Highlight-Wanderungen und ihre Auswirkungen auf 3D-Bildgewinnung analysiert. Diese wissenschaftlichen Untersuchungen bilden die Grundlage für eine künstlerische Übersetzung in Skulpturen, Installationen, Videoarbeiten und mediale Räume. Die entstehenden Werke machen sichtbar, wie Glanz nicht nur Oberflächen definiert, sondern Wahrnehmung destabilisiert und Körper scheinbar »auflöst«.

»Blinding my body away« bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Technologie. Das Projekt verbindet ästhetische Forschung mit technischer Bildanalyse und eröffnet neue Perspektiven auf Glanz als aktive Kraft zwischen Sichtbarkeit und Verschwinden. Die Ergebnisse werden in Ausstellungen, Vorträgen und öffentlichen Formaten zugänglich gemacht und dienen zugleich als Grundlage für eine weiterführende künstlerisch-wissenschaftliche Forschung.