Kreativ, innovativ, relevant: Fraunhofer-Netzwerk bringt Wissenschaft und Kunst zusammen

Wie kann Wissenschaft durch Kunst inspiriert werden – und umgekehrt? Welche Parallelen gibt es in der Arbeit von Forschenden und Kreativen? Wie können sie vom gegenseitigen Dialog profitieren? Diesen Fragen geht das neue Netzwerk »Wissenschaft, Kunst und Design« nach, das in der Fraunhofer-Gesellschaft gegründet wurde. Durch den interdisziplinären Diskurs zwischen angewandter Forschung und Kunst sollen auch mit künstlerischen Methoden gesellschaftliche Herausforderungen identifiziert und ihnen begegnet werden. Für die künstlerische Praxis lobt das Netzwerk den Wettbewerb »Artist in Lab – Dualität« aus. Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden, wie andere Aktivitäten des Netzwerks, konzeptionell aufbereitet und in Rahmen der Ausstellungsreihe »Wissenschaft & Kunst im Dialog« der Hauptabteilung Kommunikation der Fraunhofer-Zentrale im öffentlichen Raum präsentiert. Dazu kooperiert die Fraunhofer-Gesellschaft auch mit anderen Wissenschaft- und Kunstorganisationen und Einrichtungen, wie beispielsweise der Ars Electronica in Linz, der WhiteBox in München und des STATE Studio in Berlin.

Fraunhofer Kunst Design
© Abgebildetes Objekt: Beate Eismann/Foto: Sascha Linke
»FÖNIKUS«, kinetisches Objekt, thematische Formgedächtnislegierungen: Studie Nr. 1. Künstlerische Idee und technische Umsetzung: Beate Eismann. Objektentstehung unterstützt durch smart³ e.V. (www.smarthoch3.de)

Interdisziplinarität und die Kombination verschiedener Kompetenzen sind ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg. Das gilt in der Wissenschaft ebenso wie jenseits davon. Deshalb wird es zunehmend wichtiger, den Dialog von Akteuren aus unterschiedlichen Wissensgebieten zu unterstützen und sie zugleich in den Austausch mit der Gesellschaft zu bringen. 

Das neue Fraunhofer-Netzwerk »Wissenschaft, Kunst und Design« (WKD), für das das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle (Saale) als Sprecherinstitut fungiert, will diese Interaktion stärken. Das Netzwerk verfolgt den Ansatz, innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft gesellschaftlich relevante Themen breiter zu diskutieren und aus den Netzwerkstrukturen heraus Rückschlüsse über komplexe Kommunikationswege in der angewandten Forschung zu ziehen. 

»Zwischen Kunst und Wissenschaft bestehen einige Parallelen: Kreativität, Beharrlichkeit, das exzellente Beherrschen des jeweiligen Handwerks, nicht zuletzt der Anspruch, mit der eigenen Arbeit eine Wirkung in die Gesellschaft hinein zu erzielen – das sind Anforderungen, die meiner Ansicht nach für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ebenso gelten wie für Künstlerinnen und Künstler. Wenn sie miteinander ins Gespräch kommen, entstehen neue Blickwinkel, die neue Ideen möglich machen«, sagt Prof. Ralf B. Wehrspohn, Leiter des Fraunhofer IMWS und Sprecher des Netzwerks. 

Im Netzwerk sollen interdisziplinäre Zugänge zu relevanten Fachthemen und Lösungsansätze zu komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen entstehen. Die beteiligten Partner werden jährliche Konferenzen und Ausstellungen organisieren, auch um gemeinsam gesellschaftlich relevante Leitthemen für das jährliche Forschungsprogramm des Netzwerks zu definieren. Im Rahmen dieses Forschungsprogramms werden ausgewählte Projekte mit dem Volumen von bis zu 300.000 Euro gefördert. Der Programmausschuss besteht aus dem Fraunhofer-Vorstand, Vertreterinnen und Vertretern der Fraunhofer-Abteilung Kommunikation sowie externen Expertinnen und Experten aus den Bereichen Kunst und Design. 

Erste grundlegende Projekte zum Aufbau des Netzwerks laufen gerade an. So wurde die Internetplattform art-design.fraunhofer.de eingerichtet sowie eine Fraunhofer-interne Plattform zum transdisziplinären Austausch und zur Analyse der Netzwerk-Kommunikation etabliert. Zudem wird in einem Grundlagenprojekt die Rolle von Kunst und Design in der Fraunhofer-Gesellschaft sozioökonomisch bewertet. Darüber hinaus soll der Aspekt »Design« fokussiert und über die Förderung der Beschäftigung von Industriedesignern bei Fraunhofer mittelfristig ein Mehrwert für die Institute geschaffen werden.

Zusätzlich schreibt das Netzwerk WKD im Rahmen des Jubiläums »70 Jahre Fraunhofer-Gesellschaft« das Programm »Artist in Lab – Dualität« aus. Das Programm fördert die Annäherung der Wissenskulturen durch interdisziplinären Austausch in Künstlerresidenzen. Ausgewählte Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Disziplinen erhalten Zugang zu Einrichtungen der angewandten Wissenschaft, um in direktem Kontakt die Auseinandersetzung im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Relevanz und wissenschaftlichem Interesse mit künstlerischen Mitteln zu forcieren. Der Aufruf ist offen für Künstlerinnen und Künstler aus allen Kunstrichtungen, die der Kooperation mit einem oder mehreren der im Call genannten Fraunhofer-Institute zustimmen. Bei erfolgreicher Bewerbung gewinnen die Künstlerinnen und Künstler ein festgelegtes Budget zu ihrer Projektumsetzung und präsentieren ihr Projekt in Gruppen- und Einzelausstellungen, zum Beispiel im STATE Studio Berlin, sowie in einem Ausstellungskatalog, der im Fraunhofer-Verlag veröffentlicht wird. Künstlerische Ansätze, die in konkreter Form auf wissenschaftlich-technische Methoden reagieren, werden insbesondere begrüßt. Bewerbungen sind bis zum 15. November 2018 möglich. 

Das Netzwerk »Wissenschaft, Kunst und Design« ergänzt die erfolgreiche und seit mehr als zehn Jahren bestehende Veranstaltungsreihe »Wissenschaft und Kunst im Dialog« der Fraunhofer-Zentrale. Aus der Reihe sind Ausstellungen und öffentliche Foren in der Fraunhofer-Zentrale entstanden. Das Netzwerk unterstützt die Dialogreihe bei der Übertragung in die gesamte Fraunhofer-Gesellschaft.

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