Das kollaborative Art-Tech Projekt entwickelt innovative physische Schnittstellen, die »materielle« Artefakte um eine digitale/elektronische Dimension erweitern. Dabei wird Flüssigmetall als innovatives Leiterbahnmaterial für dehnbare und weiche Elektroniksysteme genutzt. Flüssigmetall zeichnet sich durch niedrigviskose Eigenschaften bei Raumtemperatur, Ungiftigkeit und allgemein gute Umweltverträglichkeit aus. Als hervorragendes elektrisch leitfähiges Material wird es bereits in verschiedenen Anwendungen wie Soft Robotics, Smart Textiles und medizinischen Geräten erforscht.
Das Ziel ist es, die im Haus entwickelten Strukturierungs- und Verkapselungsprozesse zur Herstellung von Flüssigmetall-basierten Leiterstrukturen mit originellen Designkonzepten zu kombinieren, um neuartige weiche Mensch-Maschine-Interaktionen zu ermöglichen. Derzeit werden die Leiterbahnen mit elastischem thermoplastischem Polyurethan (TPU) oder Silikon verkapselt. Wir planen jedoch, diese Materialien auch in Textilien zu integrieren, um den Tragekomfort und Funktionalitäten von tragbaren elektronischen Systemen zu verbessern. Durch Co-Development und Co-Creation-Prozesse werden Flüssigmetalle und deren Prozesstechnologien auf ihre Anwendbarkeit hin untersucht und Demonstratoren entwickelt, um die Funktionalität als neuartiges elastisches Leiterbahn- und Sensormaterial zu veranschaulichen. Zusätzlich soll die potenzielle Skalierbarkeit der Technologie verdeutlicht und Möglichkeiten für den industriellen Transfer aufgezeigt werden.
Mit Lukas Werft
Reaktive Textilien und sogenannte Soft Interfaces können grundlegend verändern, wie wir Technik bedienen. Statt harte Knöpfe oder Displays zu drücken, werden Oberflächen selbst berührungssensitiv, flexibel und fühlend.
Der technologische Schwerpunkt unseres Projekts liegt darauf, neue Herstellungsverfahren zu entwickeln, die solche weichen, dehnbaren Schnittstellen überhaupt erst möglich machen. Gleichzeitig arbeiten wir gestalterisch daran, diese Interfaces so intuitiv zu gestalten, dass sie sich ganz natürlich anfühlen und neue Formen der Interaktion erlauben – etwa textile Flächen, die sich wie eine Mischung aus Stoff und Benutzeroberfläche verhalten und klassische, starre Bedienkonzepte erweitern oder ersetzen können.
Kern unserer Arbeit ist eine druckbare Flüssigmetalltinte auf Galinstan-Basis, die in einen hochdehnbaren, elastischen Kunststoff eingebettet wird. Das Ergebnis sind elektrisch leitfähige, hochdehnbare Bahnen, die sowohl als elektrischer Leiter für Strom- oder Datentransport als auch als Sensormaterial genutzt werden können.
Als Hauptdemonstrator haben wir eine textile Leuchte entwickelt, die sich über Berührung des Lampenschirms dimmen sowie die Farbtemperatur ändert lässt und so die Idee eines »weichen Interfaces« veranschaulicht.
Wir konnten in diesem Projekt unsere zuvor entwickelte Flüssigmetalltechnologie verbessern und eine Produktimplementation aufzeigen, was einen wichtigen Schritt für zukünftige Akquise, insbesondere im Industrieumfeld, darstellt.
Relevante Erkenntnis: Die Technologie ist robust, reproduzierbar und vielseitig einsetzbar – aber Materialien und Prozesse müssen fein abgestimmt werden, da kleine Abweichungen das Ergebnis beeinflussen.
Das Highlight der Zusammenarbeit mit den Designerinnen und Designern vom WINT Design Lab war das Abschlusstreffen, bei dem wir alle Komponenten des Hauptdemonstrators – der interaktiven Leuchte – erstmals komplett zusammengesetzt haben. Nach einem Jahr Entwicklungsarbeit konnten wir das finale Ergebnis gemeinsam sehen und testen.
Während des Projekts konnte ich mich auf die technologische Entwicklung und die Optimierung der Sensorik konzentrieren. In enger Abstimmung mit den Designern und nach mehreren funktionalen Tests haben wir ein optimiertes Design für die textilintegrierten Dehnungssensoren erarbeitet.
Die Designer haben entscheidend zur Produktgestaltung beigetragen. Sie haben den Kontakt zur Strickfirma Case Studies aufgebaut, vor Ort am Textildesign gearbeitet und das gesamte äußere Erscheinungsbild der Leuchte entwickelt. Erste Gehäuseprototypen haben sie selbst 3D-gedruckt; der finale Aufbau wurde extern gefertigt und von den Designern lackiert. Außerdem haben sie einen einfachen, aber zuverlässig funktionierenden Haltemechanismus für den Lampenschirm entworfen und umgesetzt, der die notwendige mechanische Vorspannung des Textils sicherstellt.
Beim Abschlusstreffen brachten die Designer ihre Bauteile mit und wir die funktionalen Teile der Leuchte – den textilen Lampenschirm mit integrierten Dehnungssensoren, die Messelektronik für die Sensoren sowie die Steuer- und Kontrolleinheit für die integrierte LED. Gemeinsam setzten wir alles zusammen und passten die Programmierung so an, dass das Verhalten der Leuchte harmonisch wirkte. Dazu gehörten die Abstimmung der Farbtemperaturen, die Sensitivität der Oberfläche und die Feinanpassung der Übergangsgeschwindigkeiten.
Die Kombination aus technischem Know-how und gestalterischer Sensibilität hat dafür gesorgt, dass das Ergebnis nicht nur funktioniert, sondern sich auch natürlich anfühlt. Ohne diese interdisziplinäre Zusammenarbeit wäre das Projekt in dieser Form nicht möglich gewesen.
Wir arbeiten daran, die Technologie zu skalieren, die Wasch- und Langzeitstabilität für Textilanwendungen zu erhöhen, bessere elektrische Schnittstellen zur Mikroelektronik zu entwickeln und neue Sensorkonzepte wie multidirektionale Drucksensorik oder großflächige Arrays zu testen.
Parallel laufen Gespräche mit potenziellen Industrie- und Designpartnern; drei Unternehmen zeigen bereits konkretes Interesse. Zudem warten wir auf die Rückmeldung zu zwei großen Förderanträgen und bereiten weitere Projekte wie ProValid (IBB) vor. Langfristig soll die Arbeit in Richtung zirkuläre Materialien und nachhaltige textile Elektronik erweitert werden.