Artist in Lab

Das Programm »Artist in Lab« fördert zusätzlich die Annäherung der Wissenskulturen durch Austausch in interdisziplinären Projekten. Orientiert an den Zielen der Fraunhofer-Gesellschaft zur angewandten Forschung e.V., erhalten ausgewählte Kunstschaffende sowie Designer und Designerinnen Zugang zu Einrichtungen der angewandten Wissenschaft und somit die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit Forschenden aus den Fraunhofer-Instituten des Fraunhofer-Netzwerks Wissenschaft, Kunst und Design. Interdisziplinäre Ansätze, welche in konkreter Form auf wissenschaftlich-technische Methoden reagieren, werden insbesondere begrüßt.

Der Aufruf ist offen für Bewerber und Bewerberinnen der Disziplinen Kunst und Design, welche der Kooperation mit einem oder mehreren der im Call genannten Fraunhofer-Institute zustimmen. Die Bewerber und Bewerberinnen sind dabei aufgefordert, wissenschaftlich arbeitende Tandempartner an den im Netzwerk teilnehmenden Instituten für ihre interdisziplinären Vorhaben zu identifizieren und zu begeistern.

Bei erfolgreicher Bewerbung im Programm gewinnen die ausgewählten Teilnehmenden ein festgelegtes Budget zu ihrer Projektumsetzung und präsentieren ihr Projekt in öffentlichen Ausstellungen.

Bewerbungsfrist: Aktuell kein laufender Call

Bei Interesse und Fragen zum Programm oder der Bewerbung, wenden Sie sich gern an die Geschäftsstelle des Fraunhofer-Netzwerks Wissenschaft, Kunst und Design.

Ausgewählte Projekte des Calls 2019

Malende Roboter, Installationen mit Nanostrukturen und ein Dolmetscher für die Sprache der Fruchtfliegen: Das sind die Ideen, die im Programm »Artist in Lab« des Fraunhofer-Netzwerks »Wissenschaft, Kunst und Design« zu den Siegerprojekten gekürt wurden.

»Parallel Universes«

Zu den Gewinnern des aktuellen Jahrgangs gehört Prof. Ursula Damm mit dem Beitrag »Parallel Universes«. Sie möchte eine von Fraunhofer entwickelte Spracherkennungssoftware nutzen, um menschliche Sprache in die Sprache von Fruchtfliegen zu übersetzen. In einer Installation können die Besucherinnen und Besucher sowohl per Mikrofon zu den Fruchtfliegen sprechen als auch per Kopfhörer erfahren, was die Insekten gerade zu sagen haben. Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS wird bei der Umsetzung der Idee unterstützen, die auf dem Vorläuferprojekt »Drosophila Karaoke Bar« basiert.

 

»Decrypted Structures«

Liat Grayver setzte sich mit ihrem Projekt »Decrypted Structures« ebenfalls durch und kann es nun während eines achtmonatigen Aufenthalts unter anderem am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF umsetzen. Ihr Werk erforscht die Paradigmen der Kreativität im Bereich maschinengestützter Prozesse. Konkret möchte sie den Prototyp eines Roboters entwerfen, der über eine künstliche Intelligenz verfügt und malen kann.

 

»Was wir sehen«

»Was wir sehen« lautet das Werk von Prof. Ilka Helmig, das von der Jury ebenfalls ausgewählt wurde. Mittels Röntgenmikroskopie und Computertomographie möchte sie Abbildungen der Nanostrukturen von Pflanzensamen sowie Kohle und Graphit generieren und diese in einer Installation aus zeichnerischen und fotografischen Elementen zeigen. So wird eine Welt auf spektakuläre Weise sichtbar, die unserem Blick sonst verschlossen bleibt. Das Fraunhofer-Entwicklungszentrum EZRT unterstützt dabei.

 

Artist in Lab, Kunst, IOF
© Liat Grayver, 2019.
Ausschnitt aus dem Werk »(Learning) The Grammar Of The Act«, einer von einem Roboter erstellten Kaligraphie-Malerei (Tinte auf Reispapier).
Artist in Lab, Kunst, EZRT, IIS
© Ilka Helmig, Reference 01, Archivtinte auf Papier, courtesy the artist
Ilka Helmig will in ihrem Projekt Nanostrukturen sichtbar machen.
Artist in Lab, Kunst, IIS
© Ursula Damm
Ihre Drosophilia-Karaoke-Bar (Screenprint der Installation) will Ursula Damm weiterentwickeln.

Ausgewählte Projekte des Calls 2018

Bereits im ersten Jahr des Programms »Artist in Lab - Dualität« wurde die Ausschreibung äußerst positiv aufgenommen. Mit einem Rücklauf von 50 Einreichungen und internationaler Beteiligung lagen der Jury vielfältige Projektvorschläge zur Prüfung vor. Die Wahl fiel letztlich auf die Projekte »The Primordial Cities Initiative« des Künstlers Jonathon Keats sowie »Künstlerisches Lichtfeld« des Künstler- und Designerduos Charlotte Dachroth und Ole Jeschonnek:

Charlotte Dachroth & Ole Jeschonnek »Künstlerisches Lichtfeld«

Als ausgewähltes Projekt des Call 2018 ging unter anderem »Künstlerisches Lichtfeld« des Kunst- und Design-Duos Charlotte Dachroth und Ole Jeschonnek hervor. Neben der physikalischen Erscheinung von Licht wird insbesondere die Wahrnehmung voluminöser Lichtfelder auf die menschliche Wahrnehmung untersucht. Das Duo nutzt dazu LED und einen raffinierten optischen Aufbau, um den Eindruck eines dreidimensionalen, im Raum schwebenden Lichtvolumens zu erzeugen. Die Designresidenz wurde mit den Forschenden des Fraunhofer-Instituts für angewandte Optik und Feinmechanik IOF Jena umgesetzt.

 

Jonathon Keats »The Primordial Cities Initiative«

Als einer der erfolgreichen Teilnehmer des Calls setzte der US-amerikanische Konzeptkünstler Jonathon Keats sein Projekt »The Primordial Cities Initiative« in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP um. Orientiert am Konzept der Paläobiomimikry – der Biomimesis urzeitlicher Lebensformen – entwickelt Keats ultra-resiliente Formen von Architektur und Infrastruktur. Die architektonische Vision des Projekts soll dazu anregen, über mögliche Zukunftsszenarien nachzudenken und gleichzeitig eine Kultur der phantasievollen Planung fördern:

Stromatolites were the first communities on our planet, proto-cities inhabited by primitive microbes. The complex structures of these ecosystems allowed constituent species to endure and alter the hostile conditions of early Earth. As environmental conditions grow increasingly inhospitable in the Anthropocene, humans and other modern species can collectively benefit from structural, organizational, and metabolic innovations of these common ancestors, ranging from homeostasis to dynamic self-organization. Using the conceptual framework of paleobiomimicry – biomimesis of primordial life forms – Jonathon Keats will work with the Institute for Building Physics to develop new ultra-resilient forms of architecture and infrastructure inspired by prehistoric stromatolites and their present-day microbialite equivalents. At STATE Studio, these will be instantiated in architectural models and drawings.

STATE Studio Lichtfelder Dachroth Jeschonnek Vernissage 2019
© René Bade
Ausstellung »Lichtfelder« von Charlotte Dachroth und Ole Jeschonnek im STATE Studio Berlin
State Studio Berlin Jonathon Keats Primordial Cities Initiative
© Anne Freitag
Ausstellung »The Primordial Cities Initiative« von Jonathon Keats im STATE Studio Berlin